Und sie wuchsen immer höher… kurze Geschichte der Wolkenkratzer
Nimmt man einmal die 150-Meter-Marke als Richtwert für die Mindesthöhe eines Wolkenkratzers,
so wurde diese Marke bereits vor der Moderne der Menschheit erreicht: Der Kirchturm des Ulmer Münsters knackt beispielsweise als weltweit höchster Kirchturm mit 161,53 Metern Höhe diese Marke. Noch weiter zurück reichte der Bau der Cheops-Pyramide in Ägypten, die nach Fertigstellung wohl über 146 Meter hoch war und damit an der 150-Meter-Marke nur knapp scheiterte.
Der Mensch baute also früh auch in die Höhe und erreichte dabei auch die Höhe, die heute von vielen als Mindesthöhe für „Wolkenkratzer“ gesehen wird. Aber sie dienten nicht als Wohnraum oder Arbeitsfläche, weshalb sie zwar Meilensteine in der Baugeschichte der Menschheit darstellen, nicht jedoch für die eng gefasste Geschichte der Wolkenkratzer. Die begann viel später und wurde durch Erfindungen wie den Fahrstuhl, den Stahlskelettbau und durch den verstärkten Fundamentbau forciert.
Die Anfänge der Wolkenkratzer-Ära
Das Geburtsland der Wolkenkratzer liegt in den USA. Zwischen dem 19. und dem 20. Jahrhundert begannen Wohn- und Geschäftshäuser in Städten wie Chicago und später New York verstärkt in die Höhe zu wachsen. Als weltweit erstes Hochhaus gilt das Home Insurance Building in Chicago aus dem Jahr 1885. Vom Status eines heutigen Wolkenkratzers war es mit seinen etwa 42 Metern Höhe (später durch Aufbau: ca. 55 Meter) aber noch weit entfernt, wenngleich manche in ihm den ersten Wolkenkratzerbau sehen. Wie auch immer, das Rennen auf dem Weg gen Himmel hatte begonnen. Die 150-Meter-Marke wurde erstmals durch die 1901 fertig gestellte Philadelphia City Hall erreicht, allerdings nur durch den Uhrenturm des Gebäudes, weshalb viele Menschen auch die Philadelphia City Hall noch nicht als Wolkenkratzer ansehen. Ein Anrecht auf den Titel als erster Wolkenkratzer der Welt scheint da eher das Singer Building in New York zu besitzen, das 1908 eröffnet und 1968 abgerissen wurde. Es blieb nur kurze Zeit lang das höchste Gebäude der Welt, da bereits ein Jahr später der Metropolitan Life Tower mit einer Höhe von etwa 213 Metern entstand, der wiederum 1913 vom Woolworth Building als höchstes Gebäude der Welt abgelöst wurde. All diese Wolkenkratzer entstanden in New York: In jener Stadt, in der seit Eröffnung des Singer Buildings bis zur Eröffnung des Sears Towers in Chicago (70er Jahre) stets das weltweit höchste Gebäude stand. Trump-, Chrysler und Empire State Building waren ebenso Meilensteine des Wolkenkratzerbaus wie das World Trade Center mit seinen Zwillingstürmen, das 2001 durch die Terroranschläge ein so schreckliches Ende fand.
Von den USA nach Asien
Mittlerweile sind es andere Staaten, die in der Disziplin „Höchster Wolkenkratzer der Welt“ punkten. In Malaysia eröffneten 1998 die 452 Meter hohen Petronas Towers, 2004 entstand der Taipei 101, der mit Spitze etwa 508 Meter hoch ist (ohne nur etwa 448 Meter). Seit 2007 ist der Burj Dubai höher als alle anderen Gebäude der Welt, seine endgültige Höhe von 818 Metern erreichte er Anfang 2009. Längst existieren aber Bauprojekte, bei denen es über einen Kilometer weit nach oben gehen soll. Geplant ist etwa der Nakheel Tower in Dubai mit einer Höhe von über einem Kilometer. Inwieweit die Finanzkrise derart ehrgeizige Pläne weiterhin zulässt, wird sich zeigen müssen.
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